„Erschütternde Inkompetenz des Bundesverkehrsministers“
Harsche Kritik an der Forderung des neuen Bundesverkehrsministers Bilger nach weiteren Flussbegradigungen auf der Plattform tagesschau.de am 12. August übt der stellvertretende Thüringer FDP-Landesvorsitzende Dirk Bergner. Der 61-jährige Tiefbauingenieur sagt, weitere Flussbegradigungen seien grundfalsch: „Mit dieser Forderung zeigt der Bundesverkehrsminister eine erschütternde fachliche Inkompetenz.“ Die Flussbegradigungen vor allem der vergangenen einhundertzwanzig Jahre seien Teil des Problems und nicht die Lösung. „Anstatt verzögert abzufließen für Grundwasserneubildung zu sorgen rauscht jeder Starkregen auf dem kürzesten Wege zum Meer.“, erläutert der Diplomingenieur. Es könne jeder Fünftklässler ausrechnen, dass bei einem Drittel der Fließlänge bei zugleich steilerem, resultierendem Längsgefälle dass Wasser viel schneller im Meer sei, anstatt Felder und Wälder zu bewässern sowie dem Wasserspiegel der Gewässer länger zur Verfügung zu stehen. Auch die Vertiefung der Fahrrinne könne nur eine punktuelle Lösung darstellen und schädige zudem Flora und Fauna am Flussrand.
„Politische Aufgabe mit Blick auf die Minderung der Klimafolgen muss es vielmehr sein, bestehende Talsperren sowohl für den Hochwasserschutz als auch bei Trockenheit für Zuschusswasser für die Flüsse zu erhalten und deutlich mehr für die Rückhaltung von Niederschlagswasser zu tun.“ Es sei an der Zeit, wesentlich mehr Regenwasser vor Ort zu versickern und zurückzuhalten. Es brauche mit Rücksicht auf die konkreten Baugrundverhältnisse einen klugen Mix aus Versickerungsanlagen, Regenrückhaltebecken, leistungsfähigen Teichsystemen und Gewässerrenaturierungen vor allem in den Oberläufen, so der Diplomingenieur. „Dafür ist es wichtig, Städte, Gemeinden und Zweckverbände als Abwasserbeseitigungspflichtige wirtschaftlich so zu unterstützen, dass sie diese Mammutaufgabe zielstrebig bewältigen können.“, sagt Bergner, der selbst seit 1994 ehrenamtlicher Kommunalpolitiker ist und unter anderem zehn Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister seiner Heimatstadt Hohenleuben war.